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Nach historischem Vorbild: |
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Handwerker lassen historische Sternwarten-Treppe wieder erstehen
Sie sind gestandene Männer und Handwerker. Beide jenseits der 40 und ausgestattet mit einem Händedruck, der ihrem Berufsstand zur Ehre gereicht. Wenn sie allerdings auf ihren derzeit größten Auftrag zu sprechen kommen, dann haben Metallbauer Udo Wetzel und Schmiedemeister Klaus Blecken dieses Funkeln in den Augen, das man für gewöhnlich nur von kleinen Jungen kennt, wenn sie zu Weihnachten mit einer Modelleisenbahn beschert wurden.
Ehrfurchtsvoll, aber dennoch voller Begeisterung stehen die beiden Handwerker vor der gut vier Meter hohen gusseisernen Konstruktion, die in den vergangenen Wochen in der Werkstatthalle von Udo Wetzel mehr und mehr Gestalt angenommen hat. „Es ist kein Auftrag aus dem Alltagsgeschäft, den wir hier derzeit erledigen. Dieses Bauwerk ist für uns etwas ganz Besonderes“, beginnt Klaus Blecken zu erzählen. Udo Wetzel hat unterdessen seinen Computer eingeschaltet und die Internetseite der Rempliner Sternwarte aufgerufen. Er ist in der Fotogalerie der Seite gelandet. „Diese Bilder und nur einige wenige Fundstücke, die vor vielen Jahren einmal an der Sternwarte ausgegraben wurden, waren für uns Grundlage für diesen Auftrag“, sagt er. Wetzel und Blecken – sie haben sich vor einigen Monaten in einer so genannten Arbeitsgemeinschaft zusammengetan, um gemeinsam den Bau der Treppe für die älteste Sternwarte in Mecklenburg umzusetzen. Und das Ganze natürlich streng nach historischem Vorbild. Dass der Bau der Treppe überhaupt auf die Tagesordnung rücken und schließlich in den Auftragsbüchern der Handwerker landen konnte, haben die Beiden zwei Umständen zu verdanken: Einem längst bekannten und andererseits einem der Wirtschafts- und Finanzkrise geschuldeten. Die Vorarbeit für Wetzels und Bleckens Auftragswerk haben in den vergangenen dreißig Jahren die Mannen um Dietmar Fürst geleistet. Der engagierte Astronom aus Berlin hat mit seinen vielen fleißigen Helfern und einem unbeschreiblichen Engagement den Wiederaufbau der Rempliner Sternwarte vorangetrieben. Jahr für Jahr opfern er und seine Helfer für diese Aufgabe ihren Urlaub, um in Remplin zu bauen, zu konstruieren und wieder herzustellen. Man kann es in Worten nur schwerlich ausdrücken und die Anerkennung nicht hoch genug ausfallen lassen für das, was Fürst und seine Helfer in Remplin für den Wiederaufbau der Sternwarte geleistet haben. „Vor dieser Leistung, diesem Engagement und Einsatz kann man sich nur verbeugen“, sind sich auch Wetzel und Blecken einig. Den Bau der Treppe bezahlbar – immerhin belaufen sich die Kosten auf zirka 170.000 Euro – macht das Konjunkturprogramm, das die Bundesregierung im vergangenen Jahr angesichts der Finanzkrise aufgelegt hatte. Das historische Treppenprojekt erhielt den Zuschlag und steht mittlerweile kurz vor der Vollendung. Ganz gleich ob nun Stufen, Gelände, Stufenkonsolen – alles wurde noch historischer Vorlage in einer Gießerei in Wetzlar gegossen. Den Zusammenbau der Elemente haben Udo Wetzel und Klaus Blecken in ihrer Regie. In der gesamten Konstruktion stecken zirka sechs Tonnen Gusseisen. Bei so einem Gewicht lässt sich die Treppe natürlich nicht am Stück von Wetzels Malchiner Werkstatt nach Remplin transportieren. „Wir bauen die Treppe in der Werkstatt einmal komplett auf, nummerieren jedes Teil, um das Ganze dann wieder auseinander zu schrauben und schließlich an der Sternwarte wieder aufzubauen“, erklärt Klaus Blecken. Und das wird aller Voraussicht nach nicht mehr allzu lange dauern. Im März, so sind die beiden Handwerker überzeugt, soll der Bau in Malchin abgeschlossen sein. Wenn es das Wetter dann gut mit uns meint, können wir im April die Treppe in Remplin setzen“, hofft Wetzel. Was die Beiden stolz macht, was ihre Augen zum Funkeln bringt, ist das Wissen, an einem Projekt beteiligt zu sein, das weit über das Gewöhnliche, das Alltägliche hinausgeht. Und wenn sie es in ihrer Handwerkerbescheidenheit nie so deutlich aussprechen würden, wissen Blecken und Wetzel sicher auch, dass sie sich mit dem Bau der Sternwartentreppe auch ihr eigenes vier Meter hohes und sechs Tonnen schweres Handwerkerdenkmal setzen. |
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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 04. März 2010 um 15:30 Uhr |